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Einer der wenigen Straßen, Wege, Gassen in Essling, die nach Frauen benannt sind (Foto: Eva Flehschurz)

09.06.2026

Esslings weiblichen Straßennamen auf der Spur

Ein Beitrag von Eva Flehschurz in ESSLING Nr. 14 - ein stadtteilmagazin (S. 36-37)

Am 8. März 2026 hielten Gertie Gold und ich in Fredi’s Cafe die Lesung „6 ½ Frauen auf Esslings Straßen“ ab. Im Zuge dessen haben wir jene Frauen vorgestellt, nach denen in Essling – zumindest zur Hälfte – Straßen benannt sind. Diese wären: Henriette von Nassau, Mat-hilde Marchesi, Olly Schwarz, Klara Blum, Rosalia Chladek, Greta Kraus und Erna Lesky. Obwohl, das ist auch nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich nämlich ist bis dato keiner einzigen dieser Frauen eine Straße gewidmet, sondern ausschließlich eine Gasse oder ein Weg. Mit Hilfe der Quelle „Wien Geschichte Wiki“ folgt nun in der Reihenfolge ihrer Geburtsdaten ein bisschen Hinter-grundinformation zu den genannten Damen.

Henriette von Nassau Weg benannt (5. Mai 2009 Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft) nach Henriette von Nassau-Weilburg (geboren 30. Oktober 1797 Weilburg/Nassau, gestorben 29. Dezember 1829 Wien), Gattin von Erzherzog Karl, des Siegers von Aspern gegen Napoleon (Schlacht bei Aspern). Henriette war es auch, die den Christbaum nach Wien brachte – darüber hat Gertie Gold einen interessanten Blog-Beitrag auf www.treffpunktessling.at verfasst.

Marchesigassebenannt (3. Juli 1957 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach der Gesangspädagogin Mathilde Marchesi (1826-1913). Sie stammte aus Frankfurt am Main und kam in der Obhut ihrer Tante Dorothea von Erdmann, welche eine Schülerin von Ludwig van Beethoven war, nach Wien. Mathilde verstarb in London.

Olly Schwarz Gasse benannt (7. November 2022 Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft) nach der Frauenrechtlerin, Pädagogin sowie Gründerin der Wiener Handelsschule und des „Athenaeums“ (einer Hochschule für Frauen) Olly Schwarz (geboren 1877, gestorben 1960). Ihre Familie übersiedelte 1897 während der nationalistischen Unruhen von Prag nach Wien. 1939 emigrierte Olly in die USA. Sie verstarb in Chicago.

Klara Blum Gasse benannt (2. Dezember 2008 Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft) nach der Schriftstellerin und Journalistin Klara Blum (geboren 27. November 1904, gestorben 4. Mai 1971). Klara wurde in Czernowitz geboren. 1913 kam sie nach der Scheidung der Eltern mit ihrer Mutter nach Wien. 1934 fuhr sie in die Sowjetunion und wurde 1935 sowjetische Staatsbürgerin. 1947 wanderte sie nach China aus und wurde unter dem Namen Zhu Bailan chinesische Staatsbürgerin. Sie verstarb in Guangzhou.

Rosalia Chladek Gasse benannt (1997) nach Rosalia Chladek.Rosalia wurde 1905 in Brünn geboren. Sie gilt als eine der bedeutendsten Wegbereiterinnen des Freien Tanzes im 20. Jahrhundert. Sie verstarb 1995 in Wien.

Greta Kraus Wegbenannt (20. Jänner 2004 Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft) nach der Pianistin, Cembalistin und Musikpädagogin Greta Kraus (geboren 3. August 1907, gestorben 30. März 1998). Sie studierte bei Hans Weisse und Heinrich Schenker in Wien, emigrierte 1938 nach Kanada, unterrichtete Barock-Cembalo und das Deutsche Lied am Royal Conservatory of Music und der University of Toronto, bildete bedeutende kanadische Musiker aus und hatte großen Einfluss auf das kanadische Musikleben (1990 Toronto Arts Award, 1991 Order of Ontario, 1992 Order of Canada). Greta verstarb in Toronto.

Leskygasse benannt (1. Dezember 1994 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach dem Ehepaar Albin Lesky und Erna Lesky. Im Auftrag der Stadt Wien hat eine Historikerinnen-Kommission von 2011 bis 2013 die historische Bedeutung jener Persönlichkeiten untersucht, nach denen Wiener Straßen benannt sind, und eine zeithistorische Kontextualisierung vorgenommen. Aufgrund der daraus gewonnenen Erkenntnisse zur historischen Einordnung von Albin und Erna Lesky wurde der Straßenname als Fall mit demokratiepolitisch relevanten biographischen Lücken eingeordnet. Erna wurde 1911 in der Steiermark geboren. Sie war eine österreichische Medizinhistorikerin. 1939 traten sie und ihr Mann der NSDAP bei. Von 1940 bis 1945 war sie Heimärztin der „Nationalsozialistischen Volksfürsorge“ in Igls. Sie verstarb 1986 in Innsbruck. Von 1998 bis 2024 war auch ein Tor am Campus der Universität Wien nach dem Ehepaar Lesky benannt. Dieses wurde umbenannt und ist nun dem Kunsthistoriker Hans Tietze und seiner Frau gewidmet. Tore können mit weniger Aufwand umbenannt werden als Straßen, Gassen und Wege. Peter Autengruber schreibt dazu im aktuellen Lexikon der Wiener Straßennamen: „Die Stadt Wien vermeidet Umbenennungen, weil der Bezirk sämtliche Kosten hierfür zu tragen hat, vom Austausch der Straßentafeln bis hin zu den Dokumentenänderungen der Anrainer. Freilich ist das Kostenargument häufig auch ein vorgeschobenes Argument. Faktum ist jedoch, dass man versucht, kostengünstige Lösungen zu finden“.

Für die Statistik: Mit sechseinhalb Frauen sind Esslings 157 Straßen, Gassen und Wege zu rund vier Prozent weiblich. Es besteht also durchaus Luft nach oben ...

Zur Autorin:

Eva Flehschurz

Schreibpädagogin

www.buchstabenaneinanderreiherei.at

Esslinger Schreibfreu(n)de:

Jeden letzten Freitag im Monat von 10–12 Uhr

Klub+ All in Essling, Telephonweg 1/3/1A

Autorin: Eva Flehschurz


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