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Foto: Evi Flehschurz

11.11.2025

Esslings Straßennamen auf der Spur (5)

Ein Beitrag von Eva Flehschurz in ESSLING Nr. 13 - ein stadtteilmagazin (winter 2025/26) 

Für meine aktuelle Spurensuche möchte ich zu Beginn meines Artikels mit Ihnen sehr weit in die Vergangenheit zurückreisen, und zwar ins Mittelalter, in die Niklas-Eslarn-Straße.

Niklas Eslarn, Loy Hering und Jakob Seisenegger

Laut Wien Geschichte Wiki ist die Niklas-Eslarn-Straßese Straße „benannt (Datum unbekannt) nach Niklas Eslarn, geboren 1252, verstorben 1340, Besitzer der Herrschaft Essling". Im September 1975 wurde die Namensgebung vom Gemeinderatsausschuss für Kultur verlängert. Das Geschlecht der Ezzelarn war es auch, aus welchem sich der heutige Name Essling ableitet. Dieses Geschlecht stellte einst wichtige Persönlichkeiten der Wiener Stadtverwaltung. Konrad von Eslarn, derVater von Niklas, war Wiener Bürgermeister, wie später auch Niklas.

Folgende interessante Information ist mir beim Recherchieren so nebenbei über den Weg gelaufen: Die Beschriftung der Straßen, Gassen und Plätze wurde erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf Weisung Josephs II., beginnend in den Vorstädten, angeordnet. Im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit hinein erfolgte die Orientierung ausschließlich nach Hausschildern. 

Ein kleines Stück weiter stadtauswärts verläuft parallel zur Niklas-Eslarn-Straße die Heringgasse. Diese verdankt ihren Namen nicht dem besonders am Aschermittwoch beliebten Fisch wie man vielleicht annehmen könnte, und auch nicht dem gleichnamigen Verankerungsstift bei Zelten, sondern ist „benannt (18. November 1953 Gemeinderatsausschuss) nach Loy Hering“ – ein Name, den ich zugegebenermaßen noch nie gehört habe. Einweiterer Computer-Klick bringtdaher folgendes zu Tage: „Loy Hering, geboren um 1484/1485 Kaufbeuren, gestorben um 1564, deutscher Renaissancebildhauer“, dem laut meiner Recherche die Errichtung des Grabmales von Niklas Graf Salm in der Votivkirche und der Gedenktafel für Bischof Georg von Slatkonia im Stephansdom zugeschrieben werden.

Im gleichen Esslinger Grätzl befindet sich auch die Seiseneggergasse „benannt (18. November 1953 Gemeinderatsausschuss für Kultur) nach Jakob Seisenegger“. Auch diesen Herrn kenne ich nicht. Ich lese deshalb nach und erfahre, dass er ein deutscher Maler war, der gegen Ende des Mittelalters im Jahre 1505 geboren wurde und 1567 in Linz verstarb. Eines seiner bedeutendsten Werke ist das Gemälde „Kaiser Karl V. mit Hund“ aus dem Jahre 1532, welches heute im Kunsthistorischen Museum ausgestellt ist.

Die Grenzstraße zwischen Aspern und Essling

Bei meinem weiteren Spaziergang für diese Ausgabe mache ich nun einen großen Sprung. Sowohl örtlich als auch zeitlich. Ich begebe mich in Richtung Esslinger Hauptstraße, und zwar auf Höhe jener Straße, die die Grenze zwischen den beiden Donaustädter Bezirksteilen Aspern und Essling bildet. Dafür lege ich meine Zeitreise an den Beginn des 19. Jahrhunderts vor, in jene Zeit, als Napoleon hier sein Unwesen trieb. Diese Grenze heißt Lannesstraße und ist „benannt mit unbekanntem Datum nach dem französischen Marschall Jean Lannes Herzog von Montebello (1769 -1809), der infolge einer bei der Schlacht bei Aspern erlittenen schweren Verwundung starb“. Diesem Herrn sagt man nach, ein Du-Freund des französischen Feldherren gewesen zu sein. Der Familienname Lannes wird jedoch konsequent falsch ausgesprochen. Sämtliche Durchsagen der Wiener Linien kündigen die gleichnamigen Autobushaltestellen mit Lannesstraße an. Ausgesprochen wird sie aber richtigerweise [Lanstraße], analog der Aussprache der Stadt Cannesan der französischen Côte d'Azur – das "e" und "s" bleiben stumm.

Eine eigene Straße für die Lobau

Weil es gerade thematisch auf mehreren Ebenen so gut passt, seimir an dieser Stelle ein kurzer Ausflug an ein Ziel „ein klein wenig“ außerhalb von Essling gestattet, an ein Ziel gut 1000 Kilometer weit entfernt: unlängst las ich in einer Tageszeitung einen Artikel, in dem es um „eine eigene Straße für die Lobau“ ging. Darin wurde be-richtet, dass es in Paris, im vierten Arrondissement unweit des Hotels de Ville, also dem Rathaus, eine „Rue de Lobau“ gibt. Diese Straße sei nach einem gewissen Georges Mouton de Lobau benannt. 1809 fügte Erzherzog Carl in der Schlacht bei Aspern und Essling Napoleon eine schmerzhafte Niederlage zu. Mouton habe damals wesentlich zur Rettung des größtenteils in den Donauauen auf der Insel Lobau zusammengedrängten französischen Heeres beigetragen, wofür ihn Napoleon damals zum Comte de Lobau ernannt habe. An diesen Comte de Lobau erinnert seit 1838 die Straßenbezeichnung in der französischen Hauptstadt. Erzherzog Carl wiederum ist seit 1909 in der Donaustadt eine Straße gewidmet. Diese führt von Kagran über Stadlau bis nach Aspern und machte aus dem Carl einen Karl. In der österreichischen Hauptstadt gibt es zudem eine Lobaugasse. Auch diese befindet sich im 22. Bezirk, nämlich in Aspern. Der Vollständigkeit halber noch eine Information, die ich bereits im Stadtteilmagazin Nr.9 erwähnt habe: bis 1943 gab es in Essling eine Lobaustraße, welche dann in Kirschenallee umbenannt wurde. Die Asperner Kirschenallee wiederum wurde 1966 in Reiherweg umbenannt.

Spannend, wo mich meine Spurensuche immer wieder hinführt und spannend auch, wie viele Straßen und Gassen es gibt, die mit ihrer Namensgebung überraschen können. Apropos überraschende Namensgebung. Verabschieden möchte ich mich heute mit einer Esslinger Gasse in unmittelbarer Nähe zur Lann[es]straße, die ebenfalls einen ungewöhnlichen Namen hat, und zwar mit der Habe-die-Ehre-Gasse „benannt (2. Juni 2009Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft) nach der gleichnamigen (antiquierten) österreichischen Grußformel.“

In diesem Sinne liebe Leserschaft: Habe die Ehre … bis zur Sommerausgabe und Heft Nummer 14.

Veranstaltungen & Kontakt

Eva Flehschurz, Schreibpädagogin
www.buchstabenaneinanderreiherei.at

Schreibfreu(n)de im Cafe
Jeden letzten Freitag im Monat von 10–12 Uhr
Klub+ All in Essling, Telephonweg 1/3/1A

6 1/2 Frauen auf Esslings Straßen
Lesung am Internationalen Frauentag
8. März 2026, 18.30 Uhr
Fredi’s Cafe, Esslinger Hauptstraße 76

Autorin: Eva Flehschurz


Tagged: Straßen in Essling | Stadtteilmagazin |

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