In Essling angekommen! - Treffpunkt Essling - Mittendrin und doch Daheim!

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Eva Maria Greis liest "In Essling angekommen!"

26.08.2021

In Essling angekommen!

Seit 2005 wohne ich nun hier in Essling. Zugegeben, ich war nicht glücklich darüber, hier her an den Stadtrand zu ziehen. Besser gesagt: mein Herz war zweigeteilt, gewissermaßen zerrissen.
Kein Kino, kein Theater und Lokale, die ich schnell erreichen konnte. Keine Freunde in der Nähe. Die Vielfalt, die ich von meinem alten Wohnort gewohnt war, fehlte und das schmerzlich! Schnell mal in die City oder in eines der großen Museen, das ging an meiner neuen 
Adresse nur bedingt. 
Einen Führerschein nenne ich nicht mein Eigen, so lege ich meine Wege mit den Öffis zurück. Mindestens 1 Stunde Fahrzeit in eine Richtung nur, um zu einer Lesung zu kommen, das kann es zumindest auf Dauer nicht sein.
Ich bin schon ein älteres Semester und die Jahre laufen weiter, werden mehr. Dass sich das Rad des Lebens zurückdreht, gab es noch nie. Andererseits waren mein Mann und ich schon stolz, uns ein Haus erarbeitet und gebaut zu haben. 
Herrlich im eigenen Garten in der Sonne zu liegen, auch Gemüse und Obst anzubauen, einzukochen, einzufrieren im Bewusstsein, es selbst aufgezogen, gepflegt und gehütet zu haben.
Um nichts auf der Welt mehr möchte ich das missen. 
Trotzdem war das Ankommen in der neuen Heimat für mich noch nicht abgeschlossen. Es fehlte der Kontakt zu Gleichgesinnten, auch im kulturellen Bereich. Viele Menschen kommen nach Essling, wenn ihre Kinder noch schulpflichtig sind. Da ist es leichter, Leute kennenzulernen und Kontakte zu schließen. Als wir hierherzogen, waren unsere Kinder bereits ältere Teenager und gingen ihre eigenen Wege.
Meine Integration in Essling ist für mich abgeschlossen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich alles, was mir wichtig ist, im Umfeld meines Wohnortes vorfinde. Ein Anliegen, das sicher all die Menschen, die hierherziehen, mehr oder weniger haben. So kam es mir gelegen, als ich eines Tages von einer „Initiative Treffpunkt Essling“ erfuhr. Ich nahm meinen Mut zusammen und machte mich auf zum ersten Rendezvous mit Leuten, die Interesse daran hatten, in Essling etwas zu verändern. Ein Beitrag zu einer lebendigen Gemeinschaft – das war es! Jeder in seinem Wirkungsspektrum.
Sei es Sport, Workshops, Kurse, Unterhaltung oder Lesungen. Das Resultat dieser ersten Begegnung war insofern sinnvoll, als ich einige interessierte Frauen kennenlernte. In der Folge gründete ich mit ihnen den Verein „Kultur im Wohnzimmer“, der sich im Laufe der Zeit, dank der guten Zusammenarbeit mit diesen Frauen zu einem festen Bestandteil von Essling entwickeln konnte.
Seither gab es viele interessante Lesungen, Rundgänge, Workshops, Musik, Diskussionen, die allesamt dazu beitrugen, die Menschen hier untereinander bekannt zu machen und niederschwellige kulturelle Angebote in Anspruch nehmen zu können. 
Ankommen – ich bin in Essling angekommen und konnte meine Identität und meine Bedürfnisse hier verbindend einbringen. Ankommen bedeutet auch die Möglichkeit dazu vorzufinden. Der „Treffpunkt Essling“ und in Folge der „Tresor“ mit seinen Räumlichkeiten war für uns so etwas wie der Dorfplatz in alten Zeiten. Wo sich die Menschen treffen konnten, um sich auszutauschen. 
Die Räume einer ehemaligen Bank – in Zwischennutzung zum Treffpunkt Essling Offener Raum, kurz „Tresor“, umgestaltet – boten Möglichkeiten dafür. Falls es wieder dazu kommt, solche Räumlichkeiten zu bespielen, wäre es ein Wunsch unseres Vereines mehr „Raum“ in dieser Einrichtung zur Verfügung zu haben.
Denn seit der Tresor nicht mehr ist, besteht eine große Lücke, die es zu füllen gilt. Dringend, auch um den zuziehenden Leuten die Möglichkeit zu geben, sich einzubringen, beheimatet und verwurzelt zu fühlen.
Jede Menge neue Häuser allein werden ihnen dieses Verbundensein nicht vermitteln können. 

 

Eva Maria Greis ist urban und Selbstversorgerin!

Eva Maria Greis


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