Eine Gartengeschichte von Gaby Mühlbauer - Treffpunkt Essling - Mittendrin und doch Daheim!

kontakt | impressum

image

Eine Gartengeschichte von Gaby Mühlbauer

Essling hat literarisch einiges zu bieten. Der Verein Kultur im Wohnzimmer organisiert Lesungen an öffentlichen und privaten Orten. Barbara Deissenberger ist Schriftstellerin und bereichert uns mit ihren Romanen und ihrer Kolumne in ESSLING- ein stadtteilmagazin. Gaby Mühlbauer veröffentlicht regelmäßig ihre Kurzgeschichten in diesem Blog und verdichtet so die literarische Atmosphäre Esslings.

----------------------------------------------------------

Gartenträume                                                                                                   

Es ist Sonntagnachmittag und ich möchte es mir mit einem Buch gemütlich machen. Ich schüttle die Polster der Fensterbank auf, organisiere eine Decke, heißen Tee und mache es mir bequem. Ich freue mich auf den Krimi, den ich schon lange lesen will, als mein Blick nach draußen fällt. Mein Garten ist noch verschneit, doch ein Heer von Schneeglöckchen säumt bereits den Weg. In den Beeten lugen schon überall die grünen Spitzen der Frühlingsbote aus dem schon etwas Ergrautem weiß. Ach herrjeh, da waren sie wieder, überall, die kleinen Pfotenabdrücke. Am Weg, in den Beeten, sogar bis zum Fensterbrett reichen sie. Und ich weiß von wem sie stammen, von Felix dem Nachbarkater. Eigentlich bin ich ein Tierfreund, doch Kater Felix hat es auf meine Vögel abgesehen. Er sitzt hinter dem Busch und beobachtet die Futterhäuschen. Fasziniert folgen seine grünen Augen dem bunten Treiben. Meisen und Spatzen flattern durcheinander um Körner zu holen. Ein Kleiberpärchen wartet geduldig am etwas abseits liegenden Apfelbaum um auch ans Futter zu kommen. Momentan ist nichts zu befürchten, denn meine Vogelstationen sind in sicherer Höhe angebracht. Aber im Frühling, wenn die Jungen fliegen lernen, könnte es für sie gefährlich werden.  Manchmal wenn sie die Kraft verlässt, landen sie im Gras, dann fungiere ich als Beschützer und jage Felix davon.

Frühling – sehnsuchtsvoll male ich mit dem Zeigefinger Blumen an die nun angelaufene Fensterscheibe. Ich lege die Decke beiseite, das Feuer im Kamin wärmt mich genug. Oder sind es die ersten warmen Sonnenstrahlen, die sich in meiner Fantasie über den Garten ausbreiten?

Wie jedes Jahr träume ich vom perfekten Garten und wie jedes Jahr wird es auch heuer wieder ganz anders werden als geplant. Weil die Natur eben ihre eigenen Vorstellungen hat und nicht lange fragt. Die ursprünglich in schwarz gesetzten Tulpen werden im prachtvollen Rot aus den Beeten leuchten, die Veilchen dort wachsen wo sie keiner braucht und das Unkraut, heutzutage Beikraut genannt, wird alles überwuchern. Der Apfelbaum wird keine Früchte tragen, dafür aber bereits im Früh-Sommer buntes Laub in großen Mengen abwerfen. Läuse werden die Rosen befallen, lange bevor endlich die Marienkäfer erscheinen um sie zu vernichten. Der frisch angebaute Salat wird als Futtermittel für die Nacktschnecken dienen und als Dankeschön hinterlassen sie klebrig, schleimige Spuren auf dem Terrassenboden. Manche Pflanzen werde ich zu viel und manche zu wenig gießen, die einen werden zu viel und die anderen zu wenig Licht abbekommen. Sie rächen sich dafür mit ihrer traurig anzusehenden Gestalt. Kater Felix wird die Hochbeete als Katzentoilette verwenden, die Dille mit seinem Katzengras verwechseln und irgendjemand, wir wissen noch nicht wer, wird Erdhügel in unseren gepflegten Rasen zaubern. Der alte Mann im Nachbargarten, er ist übrigens der Besitzer von Felix, wird auf seiner Terrasse Pfeife rauchen, so dass ein strenger Duft von Tabak durch den Garten zieht und wenn wir grillen wollen wird es regnen.

Ja, so wird wohl alles auch heuer wieder sein. Trotzdem warte ich schon voller Sehnsucht darauf, mit meinen Händen in der Erde graben zu können, den Pflanzen beim Wachsen zuzuschauen und voller Stolz das eigene Gemüse zu ernten. Ich freue mich darauf, die Jahreszeiten mitzuerleben und jede ihrer ganz eigenen Geschichten persönlich erfahren zu dürfen. Und wenn es heiß ist, stelle ich eine Schüssel kaltes Wasser, für Felix den Kater bereit.

Durch meine Träumereien habe ich gar nicht bemerkt, dass es draußen bereits dunkel geworden ist. Ich hole mir wieder meine Decke, öffne das Buch und beginne zu lesen.

 

AutorIn:

Sabine Gstöttner


Tagged: Musik & Kultur