Urlaub in Essling! - Treffpunkt Essling - Mittendrin und doch Daheim!

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Die Ortsmitte von Essling - der ehemalige Löschteich mit umgebendem Park. Bild: Martina Nagl

Urlaub in Essling!

Eine Liebeserklärung von Martina Nagl

"Warum in die Ferne schweifen ? Sieh das Gute liegt so nah!" Wer kennt ihn nicht, diesen klugen wie wahren Satz. Im herausfordernden Jahr 2020 war es soweit. Ich beschloss in Wien Urlaub zu machen, ein paar wenige Tage. Doch die dicht verbaute, laute und überhitzte Großstadt motivierte mich nicht. Mir fiel ein Satz vom Vorjahr ein, als eine Kollegin und ich nach einem Arbeitstreffen in Essling, das wir in Josef´s Genießerei ausklingen ließen, feststellten: „Hier könnte man eigentlich Urlaub machen. In Wien und doch in einem Dorf.“

Wie es dazu kam
2018 war ich zum ersten Mal in Essling. Beruflich, als Landschaftsökologin hab ich mit Ortskernbelebung und Artenvielfalt anstatt weiterer Verbauung der Böden zu tun und veranstaltete hier einen Lehrgang für Gemeindevertreter aus ganz Österreich. Wir waren in der Bioforschung Austria und erfuhren viel über Artenvielfalt und was jede Gemeinde und jede Person im eigenen Umfeld ganz einfach dafür tun kann. Zum Beispiel bestimmte Pflanzen einfach stehen lassen, die wertvolle Insekten und Vögel anlocken. Hier gibt es auf wenig Fläche mehr Artenvielfalt als in der gesamten Donaustadt und Führungen im Besucherzentrum in der Esslinger Hauptstraße 136. Während der Vorbereitungen dafür, am Weg durch die Hauptstraße, fiel mir sofort der „Tresor – Treffpunkt Essling offener Raum“ auf. Dieser wurde in das Lehrgangsprogramm aufgenommen. Es gibt in Österreich zahlreiche Initiativen dazu, doch jene in Essling hat eine ganz besondere herausragende Qualität. Die Lehrgangsteilnehmenden erfuhren und sahen vor Ort welche Chancen die nicht-kommerzielle Belebung eines leerstehenden Lokals im Zentrum für alle bringen kann.

Es gibt noch viel mehr vielversprechende Anstöße der Initiative Treffpunkt Essling den öffentlichen Freiraum langfristig zu beleben. Deren Initiatorin, Landschaftsplanerin Sabine Gstöttner mit ihrem Büro im Ortskern von Essling, inspirierte mich schließlich zu einem - vorerst kurzen - Urlaub in Essling.

Der Teich als Ortsmitte  
Als ich nun im Sommer 2020 endlich privat nach Essling fuhr nahm ich mir ein wenig Zeit die oft genannten Qualitäten der Nähe zu genießen. Man kann hier übrigens auch nächtigen, in den gemütlichen Krennmayer rooms im Ortszentrum. 

Ränder von Gewässern mit ihrem Artenreichtum ziehen seit jeher Menschen an. An diesem schönen Spätsommertag hatte ich Glück. Zwei erwachsene Frösche, einige Jungfrösche sowie Fische zeigten sich sowie gleich drei verschiedene Libellenarten. Zuletzt hatte ich vor einigen Jahrzehnten in meiner Kindheit heranwachsende Frösche gesehen. Man braucht nicht unbedingt extra Zeit um sich an der Fauna und Flora des Teiches zu erfreuen. Bloß ein aufmerksamer Gang durch den Park genügt um mit etwas Glück einen Frosch im Teich oder eine Libelle am Holzsteg zu erblicken. Mitten im Park liefert ein Hydrant wertvolles Trinkwasser. Einer der Sitzplätze ist von einem Dach bedeckt, auf dem genügsame kleine Pflanzen gedeihen die auch mit wenig Regenwasser auskommen.

Der Generationen Aktiv-Park
Einen weiteren dritten einladenden Park entdecke ich in der Ortsmitte. Gleich hinter dem Jazzpark, eigentlich ein Bestandteil dessen wie ich später aus den aufgestellten Tafeln entnehme. Seine Gestaltung und Funktion aber auch die etwas abgeschirmte Lage definieren einen ganz eigenen Freiraum. Ein Fitnessparcours lädt zu unterschiedlichen körperlichen und geistigen Übungen ein. Etwa Bauch-Rücken-Trainer, Beinpresse mit drei Schwierigkeitsgraden, Gleichgewichtsübungen, Übungen zur Förderung der Konzentration und Wahrnehmung. Es  lohnt sich auch hier an unterschiedlichen Tagen zu Verweilen. Man soll auch, steht an den Tafeln, die Übungen nicht auf einmal sondern nach und nach, am besten je eine körperliche und eine geistige pro Tag, absolvieren. Man braucht nicht unbedingt in eine teure Therme fernab zu fahren. Die Wärmekabinen gleich nebenan und die nahe Massage konnte ich während dieser beiden Tagen nicht nutzen. Für einen Urlaub in Essling wäre eine ganze Woche nicht schlecht.

Die geschwungenen Wege sind auch hier nicht asphaltiert und laden zum Barfußgehen ein. Überhitzung im Hochsommer wird vermieden und das Regenwasser kann für die Grünanlagen an Ort und Stelle im Boden gespeichert werden. Zwei hübsche Steintische mit Holzsesseln bieten Ruheplätze. Auf dem Tisch an dem ich Platz nehme ist das Spiel „Mensch ärgere dich nicht“ eingraviert.

Die nahe Lobau  
Zu Fuß ist es nicht weit in die Lobau. Nach einer Viertelstunde flotten Gehens steht man plötzlich mitten in der Wildnis. Mit Blick auf die einstigen Seitenarme der Donau und urwaldartigem Bilderbuchwald. Kinder und Erwachsene brauchen den Anblick von Wildnis. Der Aufenthalt in der Natur wirkt sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden aus. Warum in die Ferne schweifen ? Spätestens im Spätwinter komme ich wieder um die unzähligen Schneeglöckchen die es in der Lobau geben soll zu sehen.

Kirche, Schloß, Durst und Hunger 
Ein weiterer liebevoll gestalteter Platz zum Verweilen: der Vorplatz der Kirche. Mit der Statue des betenden Bauern, Sitzbänken die Aus- und Anblicke in alle Himmelsrichtungen gewähren. Auch gibt es einige Lokale die Durst und Hunger stillen. Dies ist keine vollständige Nennung, bloß eine erste Auswahl. Am Vormittag etwa bietet sich in Fredi´s Cafe an, von dem man die Kirche, die Bäume und das Schloß erblickt. Mittagessen gibt es im Restaurant Schloß Essling. Und am Abend erlesenste Weine und Schmanckerln bei Josef. Es lohnt sich, da oder dort zu verweilen und wieder zu kommen.

Resumeé
Es lohnt sich, an einem der entdeckten und individuellen Lieblingsplätzen eine kurze Auszeit vom Alltag zu nehmen. Sei es für eine Stunde, oder für einen ein- bis  mehrtägigen Urlaub in Essling – nicht nur im Sommer.  Abgesehen von einem kurzen Spaziergang in die Lobau kam ich an diesen beiden Tagen nicht auf die Idee das Ortszentrum zu verlassen. Essling inspirierte mich dazu, dass ich bald danach auch in meinem Heimatbezirk, ebenfalls am Stadtrand am andern Ende von Wien in Atzgersdorf, immer wieder ein paar Stunden „Urlaub“ mache und die Qualitäten der Nähe entdecke. Und schon bald auch wieder in Essling. Um weiteres zu erkunden und lieb gewonnenes wieder aufzusuchen. 

AutorIn:

Sabine Gstöttner


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