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„s’Hufnagl“ – benannt nach seinem Architekten – will Begegnung und Alltagskultur in die Region bringen.

09.08.2022

s'Hufnagl - Begegnung und Alltagskultur im Grätzl

Viktor Hufnagls „Dorf in der Stadt“ in der Gerasdorferstraße 61 in Wien Floridsdorf bekommt ein neues Grätzl-Kulturzentrum. „s’Hufnagl“ – benannt nach seinem Architekten – will Begegnung und Alltagskultur in die Region bringen. 2022 präsentiert sich als ein Jahr der Jubiläen für die Wohnhausanlage Gerasdorferstraße 61 in Wien Floridsdorf. So jährt sich am 13. August 2022 der 100. Geburtstag ihres vielfach ausgezeichneten, gesellschaftspolitisch wie sozial engagierten Architekten Viktor Hufnagl. Vor 40 Jahren, im Sommer 1982, wurden die ersten Wohnungen besiedelt und es begann die Errichtung der zentralen Fußwegverbindung durch die sieben Höfe der Wohnhausanlage mitsamt einer kleinen Ladenzeile auf dem groß angelegten Vorplatz. Im Sommer 2022 bekommen Vorplatz und Geschäftslokale, umgebaut und funkelnagelneu renoviert, eine neue Bestimmung – als Ort der Begegnung, Kommunikation und Alltagskultur im Grätzl. Die feierliche Eröffnung ist für September 2022 angedacht.

Die Geschichte von Anfang an ...

Geschichte versteht man – nach genauem Hinsehen und Hören anschaulicher Erzählungen von Zeitzeuginnen – oft erst im Nachhinein. So auch in der Gerasdorferstraße 61. Wer das Narrativ der zeitdifferenten Ereignisse zurückverfolgt, erkennt eine sinnvolle Einheit, einen Sinnzusammenhang. „Wir, die Bewohner der ersten Stunde, die ab 1982 hier in die Viktor Hufnagl Wohnhausanlage eingezogen sind, waren eine Antwort auf seine Architektur wie auf sein humanistisches Menschenbild. Einerseits fanden wir uns damals an diesem Ort in der völligen Einöde, die Stadt war noch weit weg. Dafür war es grün – eine ländliche Idylle ganz am Stadtrand. Eigeninitiative, Kreativität, Hilfe zur Selbsthilfe und Gestaltungswille waren gefragt. Andererseits lud uns die einzigartige Architektur Viktor Hufnagls genau dazu ein: Das von ihm geschaffene „Dorf in der Stadt“, die sieben Höfe der langgezogenen Wohnhausanlage, erschlossen durch einen breiten Fuß- und Radweg, förderten unsere Nachbarschaftsbeziehungen und unser soziales Miteinander. Die zahlreichen Gemeinschaftsräume und großzügigen Grünflächen boten den einzigartigen Rahmen, unser eigenes Freizeitprogramm mit diversen Kursen für Groß und Klein zu schaffen, Gästewohnungen, Buchausstellungen, Flohmärkte, Sommerfeste bis hin zu unseren selbst organisierten Kindergruppen und vielem mehr“, erinnert sich Gabriele Tupy, eine der Bewohnerinnen der ersten Stunde, gerne an diese herausfordernde, jedoch sehr schöne und erfüllende Zeit zurück.

Gestalterinnen des eigenen Wohnumfelds...

das waren die Bewohner in der Gerasdorferstraße 61 vom ersten Tag an. „Wir haben an unserem Wohn- und Lebensort (Demokra-tie)Geschichte geschrieben“, zeigt Gabriele Tupy rückblickend anhand mehrerer Beispiele auf. Sie erzählt vom Selbstverwaltungskonzept der vielfältigen Gemeinschaftsräume der Wohnhausanlage, das von der Ideenfindung bis zur Umsetzung gemeinsam entwickelt wurde und sich bis heute bewährt. Auch der Spielplatz mit Rodelhügel wurde von einem engagierten Bewohnerin-nen-Team geplant. Und sie erzählt, wie über tausend Menschen kurz nach Besiedlung der zwei benach-barten, großen Wohnhausanlagen gegen den vierspurigen Ausbau der Gerasdorferstraße mit ihren Kin-dern auf die Straße gegangen sind. Denn für eine Hochleistungsstraße vor der Haustür waren sie mit ihren Familien nicht an den Stadtrand ins Grüne gezogen. Wenige Tage später saßen sie, auf Einladung des damaligen Bezirksvorstehers, mit ihm an einem Tisch und planten die heute zweispurige Straße mit Grün-mittelstreifen und Grünabstandsstreifen zu den Gehwegen hin. Und dann war da die Geschichte mit dem Zebrastreifen, der von Eltern der Wohnhausanlage, zur Sicherung des Schulweges ihrer Kinder, kurzerhand auf die Gerasdorferstraße gemalt wurde – nachdem Magistratsabteilung und Politik ihn zuvor als „nicht erforderlich“ abgelehnt hatten. Und auch der Fußballplatz, der vom Bezirk auf Wunsch der Bewohner hinter der Wohnhausanlage auf öffentlichem Grund ausgestaltet wurde und bis heute von der Wohnhausanlage gepflegt wird – für alle Hobby-Fußballerinnen der Region – war eine Initiative der Bewohner der Gerasdorferstraße 61. Bemerkenswerte Ergebnisse aus einer Zeit, als Bürger und Politikerinnen das Spiel der demokratischen Kräfte (noch?) zu nutzen und leben wussten.

Bewohnerinnenbefragung & ein Alternativkonzept

Das zeitversetzte Narrativ setzte sich fort, als der Abriss des seit einiger Zeit leerstehenden Gebäudes am Vorplatz der Gerasdorferstraße 61 mitsamt Neubauplänen für rund 24 Wohnungen im Bezirksamt von Hausverwaltung und Politik präsentiert wurde. Die Delegierten der Viktor Hufnagl Wohnhausanlage nahmen die vorgestellten Pläne zum Anlass, eine Befragung der Bewohner zu starten. Was ist ihr Bedürfnis und Anliegen für diesen Platz und das Gebäude? Seit Jahren kannten sie den Wunsch nach einem Treffpunkt, einem Café mit kleiner Gastronomie, nach einem Kulturangebot, besonders hier, am Stadtrand. „Auch wir präsentierten unsere Befragungsergebnisse und ein Alternativkonzept – mit einem Café mit kleiner Gastronomie und einem Veranstaltungszentrum für die Region für bis zu 100 Personen“, so Gabriele Tupy. Obgleich das Grundstück zwischenzeitlich auch für Wohnbau umgewidmet worden war, gelang im Herbst 2019 der sensationelle Durchbruch: Einer der Direktoren der Sozialbau erklärte das Alternativkonzept umsetzen zu wollen. Auch wenn sich kurz darauf alle mit einer Pandemie konfrontiert sahen und sich die Umbauarbeiten deutlich verzögerten. Während des Sommers 2022 soll es hier nun wenige erste Veranstaltungen im neuen Grätzlzentrum geben, im September eine großes, offizielles Eröffnungsevent.

Begegnung und Alltagskultur im Grätzl

Jeder Ort, jedes Grätzl braucht ein lebendiges Zentrum. Der großzügige, mit der Wohnhausanlage untrennbar verbundene Vorplatz der Gerasdorferstraße 61 mit seiner ehemaligen Ladenzeile, wird zu einem neuen Grätzlzentrum für zukunftsoffene Kulturinitiativen. Zu einem Ort der Begegnung, des Dialogs, der Bildung, der Kultur und nicht zuletzt auch des kulinarischen Genusses. Kultur prägt regionales Bewusstsein, schafft Identität, öffnet neue Zugänge und vermittelt Freude und Lebensgefühl. Kulturinitiativen in enger Verbindung mit der Region können zum Impulsgeber für neue lokale Entwicklungen werden – wenn sich regional Gewachsenes mit neuen Ideen und Zukunftsthemen verbindet. Viele gute Gründe für das neue Kulturzentrum im Grätzl.Schon während der Gespräche um den Erhalt des leerstehenden Gebäudes auf dem Vorplatz der Gerasdorferstraße 61 bespielte ein engagiertes Team aus der Wohnhausanlage den Platz und das Lokal in Kooperation mit dem Verein „Die schweigende Mehrheit“. „Wir starteten mit Kino unter freiem Himmel und zeigten sehr erfolgreich die Filmkomödie "Die Migrantigen" oder in memoriam Christine Nöstlinger den Spielfilm „Maikäfer flieg!“. Auch ein altes Piano konnte gerettet, renoviert und erstmals im Rahmen von Veran-staltungen bespielt werden“. Seit Herbst 2021 ist nun auch die Gründung des Kulturvereins „s’Huf-nagl – Begegnung und Alltagskultur im Grätzl“ mit Sitz in der Gerasdorferstraße 61 von der Vereinspolizei bestätigt. Noch vor dem Sommer sollen die Renovierungsarbeiten am Gebäude abgeschlossen und letzte Dinge zwischen dem neuen Kulturverein und der Sozialbau geklärt sein. Dann kann es losgehen – vorerst mit einem kleinen, aber feinen Programm bis Jahresende – „Wir wollen langsam wachsen“, zeigt man sich im Vorstand des neuen Kulturvereins einig. In den nächsten Wochen entsteht eine Webpage mit den ersten Programm-angeboten. Ab sofort können sich interessierte Menschen auch für den in Zukunft monatlich erscheinenden elek-tronischen Kulturnewsletter anmelden unter www.das-hufnagl.at

Autorin: Gabriele Tupy


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